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"ORAL HISTORY" ÜBER EIN SCHLIMMES KIND

Zum ersten Todestag von Wolfgang Bauer
Colette M. Schmidt
der Standard   (Wien)
25. August 2006


Graz - Heute vor einem Jahr verstarb der Dramatiker Wolfgang Bauer im Alter von 64 Jahren. Geschichten, Anekdoten und Legenden rankten sich zeit seines Lebens um "Magic Wolfi", wie ihn seine Freunde auch nannten.
Die Ausstellungsinstallation Memory XS (wissenschaftliche Leitung: Paul Pechmann) wird sich auch auf diese zahlreich kolportierten Geschichten stützen, die von Freunden und literarischen Weggefährten in eigens aufgezeichneten Interviews zum Besten gegeben werden. Unter ihnen: Klaus Maria Brandauer, Alfred Kolleritsch, Gerhard Roth, Olga Neuwirth, Gottfried Helnwein, Barbara Frischmuth, Gert Jonke, Ulrich Schulenburg, Kurt Palm sowie Sohn Jack Bauer und Witwe Heidi Bauer.


Wie viele davon tatsächlich der Wahrheit entsprachen oder im Laufe der Zeit zu Schnurren zusammenschrumpften, steht auf einem anderen Blatt der Literaturgeschichte. Bauer wurde - auch für literarisch wenig Interessierte - zu einem durchaus trinkfesten "Original" seiner Geburtsstadt Graz, die er zeit seines Lebens nur für ausgedehnte Reisen, etwa nach San Francisco oder Singapur, verließ.


Ausstellung 2007

Im Grazer Stadtmuseum wird in Kooperation mit dem Literaturhaus Graz bereits jetzt an einer groß angelegten Ausstellung über den Dichter gearbeitet, die im Februar 2007 eröffnet werden soll. Die Schau wird die Handschrift von Theaterregisseur Karl Welunschek tragen, der im Vorjahr auch die inhaltliche Neuausrichtung des Stadtmuseums mitorganisierte.


Die Ausstellungsinstallation Memory XS (wissenschaftliche Leitung: Paul Pechmann) wird sich auch auf diese zahlreich kolportierten Geschichten stützen, die von Freunden und literarischen Weggefährten in eigens aufgezeichneten Interviews zum Besten gegeben werden. Unter ihnen: Klaus Maria Brandauer, Alfred Kolleritsch, Gerhard Roth, Olga Neuwirth, Gottfried Helnwein, Barbara Frischmuth, Gert Jonke, Ulrich Schulenburg, Kurt Palm sowie Sohn Jack Bauer und Witwe Heidi Bauer.


Keine Wolfi-Schnurre

"Was es aber sicher nicht sein wird, ist eine weitere Wolfi-Schnurre", erklärt Welunschek im Gespräch mit dem Standard. Vielmehr wolle man ein Bild des Menschen und Autors anhand der Außensicht und Erinnerung anderer entwerfen: "So etwas wie eine Oral History".


Eine Fernsehsendung für 3Sat wird bereits vorbereitet. "Wenn es sich finanziell ausgeht, soll aus dem Filmmaterial der Ausstellung später auch noch ein Kinofilm gemacht werden", hofft Welunschek.


Begleitend zur Ausstellungseröffnung, wird auch ein "Best-of-Bauer-Reader" mit dem Titel Ein schlimmes Kind bin ich - herausgegeben von Gerhard Melzer und Andreas Unterweger - präsentiert. Die Publikation wird gleichzeitig der erste Band einer neuen Buchreihe namens edition graz sein, die das Literaturhaus in Zusammenarbeit mit dem Sonderzahl-Verlag her-ausbringen wird.


(Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.8.2006)


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